GEWO 2005 – Alles bleibt anders

Die Idee, eine Woche lang zusammen hausen, in Gemeinschaft abfeiern und sich geistlich weiter entwickeln, prallte 2005 auf eine Teilnehmerzahl von über 140 Jugendlichen (100 im Vorjahr).

Mit "Revolution" als Thema galt es daher die heiß geliebten Traditionen in neue Größenmaßstäbe zu übersetzen und zu sein wie immer, aber größer, besser und trotzdem anders. Schon am ersten Tag wurden die Unterschiede zu letztem Jahr bejubelt und beknurrt. 60 Jungs dicht an dicht im kleinen Saal. Würde unter einer solchen Krawallkolonie die kostbare Ressource Schlaf vollends zerrüttet? Oder ließe sich dadurch noch mehr Spaß und Gemeinschaft herauskitzeln? Insgesamt musste die Meute schon fester gezügelt und mit Putzdienst bedroht werden. Dem Spaß tat das keinen Abbruch. Da hört der Jugendliche dann schnell auf, die Anzahl der Teilnehmer im Verhältnis zur Anzahl verfügbarer Toiletten zu berechnen oder sich bei der Speisung der 140 über Anstehen zu beklagen.

Das Programm läutete die Revolution mit einem Knall ein. Jäh unterbrach eine Gruppe Revoluzzer, die mit Unterstützung der neuen Licht- und Tonanlage und einigen Böllern umherlärmte, eine betont öde Ansprache von Torsten und deklarierte, dass es um die Veränderung des Lebens ging. Thematisch hangelte man sich an den folgenden Abenden an wohlbekannten Themen unter neuer Perspektive entlang, mit dem Gefühl im Hinterkopf, nicht mehr der kleine scheue Christ zu sein, sondern der wirklich Alternative und Revolutionär.

Begleitet wurden die Themen von Programmpunkten in sich selbst übertreffender Perfektion, keine Gabe blieb ungeerntet. So wurde jeder Abend mit charmanter Moderation und gestylten Videointros eingeleitet, was älteren Gewo-Veteranen grinsend den Vergleich zu ersten Gewo-Gehversuche entlockte, wo man noch mit einfachen Haushaltswaren ein Programm zusammenschusterte. Ebenso eventmäßig durchkomponiert, aber sehr menschlich, zeigte das Theaterteam täglich eine Folge einer selbst erdachten 'Soap Opera' mit Suchtfaktor. Für Musik sorgten dieses Mal gleich zwei verschiedene Bands, auch das Gewo-Lied war selbst geschrieben worden. Bei den Predigtstilen herrschte Abwechslung durch eine legendäre Zweimannpredigt von Stefan Binz und Matthias Beichter.

Ab Donnerstag wurde grünes Licht gegeben, um auch nachts die Nähte platzen zu lassen. Endlich, ja endlich wieder eine Kissenschlacht im großen Stil, malerisch durchweht von kiloweise Kissenfedern. Während für Kreativität dabei dieses Jahr keine Orden verliehen werden konnten, brachen die Mädchen doch erstaunlich brachial in die zwischen Aggression und Beschützertrieb schwankende Ratlosigkeit der Jungs ein. Gekontert wurde mit schnellen Teams aus Schlägern und Sammlern, als Beutegut fungierten dieses Jahr Matratzen, wesentlich erschwert durch deren festgekrallte Besitzerinnen. Auf die samstägliche Versöhnungsgeste wurde schmählich verzichtet. Als Gewinner betrachten sich allerdings traditionsgemäß beide Seiten.

Durch die Woche zog sich eine Aura der Geheimnistuerei. So war der Samstagnachmittag nur als "OZ" angekündigt worden. Opel Zoo? Obdachlosen-Zentrum? Ost-Zone? Oma in Zürich? Noch als drei dicke Reisebusse anrollten, war das Ziel unklar. Ohne O und ohne Z ging es dann zum Flughafen Frankfurt, wo in einem mehrstündigen Agentengeländespiel mafios verkleidete Pastoren und Mitarbeiter gejagt wurden.

Gerüchte rankten sich auch um einen inszenierten Unfall im Gang hinter der Tischtennisplatte. Beim Schweißen hatte Eugen Böhler "versehentlich" eine Explosion ausgelöst, so dass das technische Hilfswerk herbei eilen musste, um den Raum mit Balken abzustützen. Die Situation verschlimmerte sich, Gasgeruch trat aus und der Gang musste gesperrt werden, was den Anteil von Toiletten pro Teilnehmer abermals verringerte. Die Jugendlichen ließen sich den Bären aufbinden, beteten für die Reparatur und spekulierten über die Ursache des Schadens. Ideen reichten von amerikanischer Fliegerbombe bis zum ausgeschlüpften Drachenei. Geklärt wurde der Vorfall erst Samstagabend in einem Live-Krimi. Kommissare Rainer "die Gazelle" Weinheimer (alias Stefan) und Dietmar "die Schlange" Dietowicz (alias Fred) unterbrachen den ursprünglich geplanten Gala-Abend im Auftrag des FeG Geheimdienstes und seiner Majestät Peter Strauch. Rund um eine beim Schweißunfall entdeckte Gehirnwäschemaschine befragten diese Zeugen, zeigten Videos und kombinierten kräftig. Das Über- und Abführen eines größenwahnsinnigen Pastors und seines zwielichtigen Hausmeisters wurde mit ausgiebigem Tanz gefeiert.

Zu Feiern gab es nach der Woche ein rundweg positives Fazit. Einerseits große Zahlen, über 270 Besucher (170 im Vorjahr) waren zum offenen Abend eingeströmt, um zu erfahren, wie viel radikaler Jesus revolutionierte als Che Guevara. Einige begannen ein komplett neues Leben mit Jesus – ohne Gehirnwäschemaschine. Auch der Berg an Bewahrung vor Viren und echten Unfällen war mit der Anzahl der Teilnehmer mitgewachsen. Andererseits wurden aber auch unzählige kleine, stille Schritte neu gewagt, neue Fragen gestellt und neue Freunde in den Klikken (unseren Kleingruppen) gefunden. So blieb die Gewo trotz nie gekannter Größe und monströsem Organisationsaufwand immer noch die Woche mit Freunden, menschlichem Durcheinander und göttlicher Begegnung.

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