GEWO 2006 – HDL
HabDichLieb – aber wie? Jeder will Liebe haben und sie geben, trotzdem ist oft zu wenig davon da und keiner weiß, wo sie herkommt. 152 Jugendliche machten sich auf der Gewo 2006 in Theorie und Praxis auf die Suche nach dem wundersamen Zeug namens Liebe.
Trotz Unkenrufen im Vorfeld wurde wieder einmal die Teilnehmerzahl des Vorjahres (140) überboten und auch räumlich war es die größte Gewo aller Zeiten. Wer sich nachts vom Jungsrevier in den Kindergottesdiensträumen zum Mädchenbau im Jugendzentrum schleichen wollte, nahm neben einem Prügelkissen besser auch gleich eine Wegzehrung und die nötige Footpower mit. Erfreulicherweise mussten sich durch die zusätzlichen Räume nicht mehr alle 60 Jungs in einem Saal quetschen, sondern nur noch jeweils 20, was essentielle Fragen wie „Fenster auf oder zu?“, „Wer war das?“ und „Könnt ihr endlich die Klappe halten?“ wesentlich vereinfachte.
Von Ordnungshütern und Obdachlosen
Um Liebe praktisch zu üben, bekam jede der 19 Klikken (Kleingruppen) der Gewo 25 Euro und die Aufgabe, sie in einem Liebesdienst in die Herzen der Bevölkerung zu investieren. So wurden Beamten des Polizeipräsidiums bekocht, Obdachlose mit Wurst beschenkt, freundliche Bibelsprüche per Brief verschickt und im Seltersweg Geldstücke unter dem Motto „Bedienen sie sich. Wir sind reich beschenkt!“ verteilt. Weiterhin wurden ein Kinderheim besucht, Süßigkeiten in der Weststadt ausgeteilt, so manches wohltätige Projekt beschenkt, Hausmeister geehrt, das Büro des Gemeindepraktikanten karibisiert und vieles mehr.
Auch bei den Workshops kam es zu viel Kontakt mit der Außenwelt. Eine Gruppe lud mit Flyern in der Stadt zum offenen Abend ein, für viele eine neue Art der Begegnung mit fremden Jugendlichen und dem eigenen inneren Schweinehund. Auch beim Senioren-Workshop trafen verschiedene Welten aufeinander, bei Kaffee und Kuchen wurde sich kennen gelernt und ausgetauscht. So kam es, dass in den abendlichen Klikkengesprächen mit leuchtenden Augen von vielerlei Abenteuern und Begegnungen auch außerhalb der gewohnten Wege berichtet wurde.
Von Kissenschlacht und Burgerkrieg
Die traditionelle Kissenschlacht, subtile Liebesbekundung seit Gründung der Gewo, wurde dieses Jahr im parfümdurchwehten Mädchenbau gefeiert, in Sicherheitsabstand von schlappen Kerlen und zerbrechlichem Heizungskeller. Angesichts der zahlenmäßigen Überlegenheit der Mädchen (90 zu 60) wäre eigentlich eine Plättung der Jungs zu erwarten gewesen. Doch anstatt den Isomatten gleich gemacht zu werden, wurden einige Matratzen erfolgreich erbeutet und das eine oder andere Mädchenohr mit Rasierschaum gefüllt. Die im letzten Jahr mit langen Fingernägeln angekratzte Ehre der Jungs wurde damit wiederhergestellt.
Ansonsten saß man lieber auf den Kissen anstatt sie schwingen. So wurde Freitagnacht Annies Geburtstag gefeiert, was durch die späte Stunde und die Möglichkeit zur Begegnung im Schlafanzug wahrscheinlich weitere Schlachtpläne kompensierte. Dank den 25 Euro einer Klikke und freundlichem Sponsoring von Footpower Jahrling und BurgerKing mampfte man einträchtig leckere Burger.
Von Wortwall und Schallmauer
Das theoretische Fundament zum Thema Liebe wurde in den abendlichen Predigten gelegt – und das mit erfreulich neuen Methoden. So vereinten Stefan Binz und Dennis Viehoff gekonnt in einer Duettpredigt über Schubladendenken ihre sehr unterschiedlichen Stile. Zusammen mit Torsten Pfrommer erhellte Svenja Marx einen Abend mit ihren Gedanken über die Bedingungslosigkeit von Liebe. Am offenen Freitag, der mit 330 Leuten im großen Saal einen neuen Rekord in der Geschichte der Gewo aufstellte, beantwortete Fred Leemhuis die Frage „Where ist the love?“ Andere Abende behandelten die Gottes Liebe zu uns Menschen, die 5 Sprachen der Liebe der Menschen untereinander und die nötige innere Haltung wie Demut und Bescheidenheit.
Ebenso klar, wenn auch deutlich lauter, dröhnten die beiden Bands des D16 Ohren und Herzen auf. Neuerdings unterstützt von der verklärenden Kraft des Cellos und gelegentlichen Rapeinlagen sorgten die Musiker schon vom ersten Tag an für noch nie da gewesene Atmosphäre beim Lobpreis. Dass Lautstärke nicht alles ist, bewiesen dabei auch immer wieder besinnlichere Lieder.
Von Piraten und Pirouetten
Zum großen Kostümabend war der Raum des D16 am Samstag in eine karibische Landschaft umgebaut worden – samt Bühne als Piratenschiff. Als Piraten, Piratenbräute, Obstverkäufer, Touristen, Geiseln, Haie, Hulatänzerinnen, Taucher und Ananas (!) verkleidete Jugendliche ließen sich auf im Saal angelegten Inseln nieder, um von dort aus diverse seeräuberische Wettkämpfe auszufechten. Während beim Kokosnussknacken rohe männliche Kräfte die Natur mühelos bezwangen, scheiterten zahlreiche holde Piratenbräute bei der subtilen Aufgabenstellung des freibeuterhaften Wettrülpsens. Der Abend schloss mit ausgelassenem Tanz und tropischen Cocktails.
Trotz der Menschenmenge blieb die Gewo dieses Jahr sehr bewahrt. Unfälle und Krankheiten hielten sich stark in Grenzen. Und dank unermüdlichem Kücheneinsatz und einer Flut vortrefflicher Kuchen wurden auch körperlich einige Pfunde zugelegt.
Insgesamt hat die Gewo 2006 gerade durch ihr sehr präsentes Thema eine einzigartige Atmosphäre geschaffen, in der neue Gedanken gedacht, neue Schritte gewagt und neue Freundschaften geschlossen wurden. Egal ob ein Alltag oder sieben Weltmeere zu bezwingend sind, eine bessere Ausrüstung ist wohl kaum denkbar.



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